Morbus Crohn – eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung

In Österreich leiden rund 80.000 Menschen unter chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (kurz CED genannt). Leider sind diese derzeit noch nicht heilbar. Eine zeitgerechte, individuell mit einem Facharzt vereinbarte und in der Regel medikamentöse Therapie ermöglicht dir jedoch eine hohe Lebensqualität bis hin zu einem langfristigen Stillstand deiner Erkrankung.

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Morbus Crohn...

...ist nach dem US-Amerikaner Burrill Bernhard Crohn benannt, der die Erkrankung 1932 als einer der ersten Mediziner als eigenständiges Krankheitsbild beschrieben hat. "Morbus" ist das lateinische Wort für Krankheit.


Morbus Crohn zählt neben Colitis ulcerosa zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED), bei denen das Immunsystem überreagiert.

Die Abwehrstoffe im Darm bekämpfen nicht nur schädliche Viren und Bakterien, sondern richten sich auch gegen den eigenen Körper. Dadurch entsteht eine dauerhafte Entzündung und Schädigung im Verdauungstrakt - also vom Mund bis zum After - in den meisten Fällen am Übergang vom Dünn- in den Dickdarm.

In manchen Fällen können auch abseits des Verdauungstrakts Begleiterscheinungen auftreten: zum Beispiel an den Augen, der Haut oder den Gelenken.

Ursache unbekannt

Wie bei vielen anderen Erkrankungen des Verdauungstrakts kann auch bei Morbus Crohn keine genaue Ursache ausgemacht werden. Wissenschaftler gehen aber davon aus, dass ein Zusammenspiel von mehreren Faktoren verantwortlich ist:

  • Erbliche Faktoren: Wenn andere Familienmitglieder an Morbus Crohn leiden, ist die Wahrscheinlichkeit, selber zu erkranken, leicht erhöht.
  • Umwelteinflüsse: Infekte, Nahrungsbestandteile oder Rauchen können die Entstehung der Krankheit begünstigen.
  • Störung der Schleimhautbarriere des Darms: Die Schutzbarriere des Darms von Menschen, die an Morbus Chron erkrankt sind, ist durchlässiger für Bakterien und Keime. Zusätzlich wird der Botenstoff Tumor-Nekrose-Faktor-alpha (TNF-α) in erhöhter Menge produziert – er ist verantwortlich dafür, dass Entzündungen entstehen und bleiben.

Morbus Crohn erkennen

Du plagst dich schon seit längerer Zeit mit häufigen Durchfällen, Bauchschmerzen und –krämpfen, vielleicht sogar Erbrechen und Fieber, aber nichts, was du dagegen tust, hilft weiter? So ist es oft im Falle von Morbus Crohn. Bis zur Diagnose kann viel Zeit vergehen, denn Symptome wie diese können auch auf andere Erkrankungen hinweisen. Bei einigen treten sie schleichend auf, bei anderen akut. Welche Symptome sich außerdem zeigen können, wie dein Arzt die Erkrankung feststellt und wie sie normalerweise verläuft, erfährst du hier.

Anzeichen und Symptome

  • Wässriger oder breiiger Durchfall: mehrmals am Tag, über einen längeren Zeitraum und meistens ohne Blut
  • Krämpfe und / oder Schmerzen im Unterbauch: oft auf der rechten Seite, vergleichbar mit den Schmerzen bei einer Blinddarmentzündung
  • Leichtes Fieber
  • Müdigkeit
  • Allgemeines Krankheitsgefühl
  • Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen
  • Gewichtsverlust

Wie Morbus Crohn diagnostiziert wird

Von der Anamnese über Laboruntersuchungen bis zur Darmspiegelung

Da die Symptome nicht immer gleich sind und sich viele Überschneidungen mit anderen sogenannten gastroenterologischen Erkrankungen zeigen, ist die Diagnose nicht immer einfach. Dennoch gibt es eine Reihe an Untersuchungen und Verfahren, mit deren Hilfe der Gastroenterologe feststellen kann, ob ein Morbus Crohn vorliegt. Für die meisten Betroffenen ist die Diagnose eine Erleichterung: Endlich wissen sie, was los ist. Und endlich können die Beschwerden unter Kontrolle gebracht werden. Normalerweise erfolgt die Diagnose nach mehreren Schritten:

1. Anamnese

  • Ausführliches Gespräch mit Ihrem Facharzt für Gastroenterologie

2. Körperliche Untersuchung

  • Abtasten des Bauches und des Afters

3. Blut- und Stuhlproben

  • Blut: Blutbild und CRP
  • Stuhl: Calprotectin

4. Endoskopie

  • Spiegelung des Verdauungstraktes

5. Bildgebende Verfahren

  • Ultraschall
  • Magnetresonanztomographie
  • Computertomographie

Bis zur Diagnose kann durch den schleichenden Beginn viel Zeit vergehen, da die Beschwerden oftmals nicht richtig zugeordnet werden können. Eine möglichst frühzeitige Abklärung beim Gastroenterologen und der rasche Beginn einer effizienten, auch medikamentösenTherapie sind jedoch wichtig, um bleibende Schäden zu vermeiden. Das Ziel der Behandlung ist es, neue Schübe zu vermeiden und langfristig beschwerdefrei zu werden, indem eine vollständige und dauerhafte Abheilung der Darmschleimhaut erreicht wird.

Die Therapieoptionen bei Morbus Crohn

Je nach Schweregrad und Phase der Erkrankung sowie vielen anderen individuellen Faktoren kommen unterschiedliche Behandlungen in Frage:

Aminosalizylate (z.B. Sulfasalazin und Mesalazin, auch 5-ASA-Präparate genannt)

Wirkung: entzündungshemmend // Schweregrad der Krankheit: leicht // Form: Tabletten, Zäpfchen, Schaum oder Einlauf (Klysmen) // Einsatzdauer: im akuten Schub und danach

Kortikoide (z.B. Prednison oder Budesonid, auch Glukokortikoide genannt)

Wirkung: entzündungshemmend, die Reaktion des Immunsystems wird unterdrückt // Schweregrad der Krankheit: leicht, moderat, stark // Form: Tabletten, Injektion bzw. Infusion in die Vene oder als Einlauf // Einsatzdauer: nur im akuten Schub

Immunsuppressiva (z.B. Azathioprin oder 6-Mercaptopurin)

Wirkung: entzündungshemmend, die Reaktion des Immunsystems wird unterdrückt; Wirkung setzt nach 2-6 Monaten ein (die Zeit bis dahin wird mit anderen Medikamenten überbrückt) // Schweregrad der Krankheit: moderat und stark // Form: Tabletten // Einsatzdauer: langfristig mit regelmäßigen Kontrolluntersuchungen

Biologika (biotechnologisch hergestellte Medikamente)

Wirkung: greifen in den Entzündungsprozess im körpereigenen Abwehrsystem ein und lassen die Entzündung abklingen // Schweregrad der Krankheit: moderat und stark // Form: Selbstinjektion mit einem PEN, Fertigspritze unter die Haut (subkutan) oder durch eine Infusion in die Armvene (intravenös) beim Arzt // Einsatzdauer: im akuten Schub, wenn andere Therapien nicht gewirkt haben oder nicht vertragen wurden; langfristiger Einsatz, wenn die Behandlung im akuten Fall erfolgreich war // Zu beachten: Es kann sein, dass das Infektionsrisiko erhöht ist, daher müssen bestehende Infektionen, z.B. Tuberkulose oder Hepatitis, in Voruntersuchungen ausgeschlossen werden.

Operationen

Manchmal ist die Krankheit so weit fortgeschritten, dass eine medikamentöse Behandlung nicht mehr greift. In schweren Fällen, wenn sich zum Beispiel Fisteln, Abszesse oder Stenosen gebildet haben, kann ein operativer Eingriff Linderung verschaffen. Sehr selten kann es zu einem Darmverschluss oder -Durchbruch kommen; dann muss eine sofortige Notoperation durchgeführt werden. Wenn du in ärztlicher Behandlung bist, sollte es allerdings gar nicht so weit kommen und Operationen kommen glücklicherweise nur selten vor.

 

Da chronische Erkrankungen auch psychisch sehr belastend sein können, tut es manchmal gut, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Das kannst du ganz anonym bei der Patientenorganisation ÖMCCV.

Probier es einfach aus oder wirf einen Blick auf www.ich-kann-alles.at - dort zeigen Betroffene, wie sie trotz Erkrankung mitten im Leben stehen.

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